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Die Elbe ruft…

Zwei unglaublich Jahre hat es gedauert bis diese Tour stattfinden konnte. Mehrere geplante Elbtouren wurden aufgrund von zu viel Wind, Gewitter und anderen Unpässlichkeiten jeweils abgesagt oder auf andere Flüsse verlegt (Wümme, Ochtum, Weser). Gut Ding braucht Weile und dieses Jahr wurden wir nicht enttäuscht:
Freitagabend Treffen am Stader Sand. Im strömenden Regen fahre ich direkt nach der Arbeit los und hoffe, dass niemand wegen der schwarzen Wolken zu Hause geblieben ist. Das Wetter soll super werden, hat das Internet versprochen! Ein NSBler, zwei Warturmer und zwei Stader wollen mit und es tauchen auch tatsächlich alle auf. Vereinsübergreifende Fahrten sind immer etwas spannendes. Die Sonne bricht durch die Wolken und wir hieven die schwerbeladenen Gepäckboote in die Schwinge. Nach ein paar Paddelschlägen sind wir auf der Elbe. Jetzt fängt der Urlaub an.

Die Flut schiebt uns zügig Richtung Hamburg und eine frische Brise aus NW versorgt uns mit angenehmen achterlichen Wellen. Wir teilen uns die Elbe mit den üblichen großen Schiffen, Seglern und Motorbooten und paddeln an Steuerbordtonnen, Leuchttürmen und an Lühesand mit den großen Strommasten vorbei. Das ist “meine” Elbe und ich freue mich sehr, dass die Elbtour endlich wahr geworden ist. Dann kommt Hanskalbsand in Sicht. Am schönen Sandstrand des Nordufers gegenüber von Wedel/ Schulau gehen wir an Land und machen es uns gemütlich. Zelte aufbauen und ein Wurfsack als Wäscheleine. Während die Sonne in leuchtenden Farben hinter DOW Chemical und dem abgeschalteten AKW Stade untergeht, bringen wir ein kleines Feuer und den Grill in Gang. Durch Stockbrot wird die Lagerfeuerromatik noch abgerundet, fehlt nur die Gitarre.
Einer kleinen Nachtwanderung sind auch erwachsene Paddler nicht abgeneigt und so erkunden wir mit Sternenlicht und Taschenlampen den Strand und ein paar Trampelpfade. In einem kleinen Waldstück reflektieren plötzlich zwei Augen auf einem Baum im Schein der Taschenlampe und rühren sich kein Stück. Wir sind irritiert und halten inne. Was ist das? Die Neugierde siegt und als wir näherkommen, stellen wir verblüfft fest, dass es sich um aufgeklebte Reflektoren handelt. Weiter hinten tauchen weitere Augen auf und wir verfolgen die Fährte über einige Zeit. Doch die Insel ist 9 km lang und irgendwann geben wir auf und wandern am Strand entlang zurück. Der Wind hat nachgelassen und nur kleine Wellen schwappen auf den Sand.

Am nächsten Morgen ist der Himmel blau und nur ein paar Schäfchenwolken spenden ab und zu wohltuenden Schatten. Hauke (Warturm) ruft nach dem Frühstück seine Freundin in Steinkirchen an. Sie hat nämlich angeboten, dass, wenn uns irgendetwas fehlen würde, sie es uns bringen könnte – und, wir haben kein Bier mehr für den zweiten Abend! Die Übergabe von zwei Sixpacks geschieht vor den staunenden Augen diverser Touristen am Lüheanleger.
Wenig später queren wir das Fahrwasser und wechseln auf die Nordseite der Elbe. Wir paddeln flott mit dem Strom Richtung Westen und überholen sogar den ein oder anderen Segler, der kein Wind in den Segeln hat. Am Dwarsloch verabschieden wir die beiden Stader Kanuten, die leider keine Zeit haben uns weiter zu begleiten. Zu viert geht es weiter.

Die Landschaftsstimmung wandelt sich; wir sind in der Haseldorfer Binnenelbe und gleiten zwischen Schlickbänken und Priggen hindurch in den Haseldorfer Hafen. Hier gibt es so schöne Dinge wie Fischbrötchen, kalte Getränke und saubere sanitäre Anlagen. Herrlich! Doch allzulange Pause ist nicht drin, denn die Tide wartet nicht. Gestärkt geht es anschließend durch die Schlickinsellandschaft Richtung Pagendsander Nebenelbe. An einigen Stellen wird es beunruhigend flach, aber wir schaffen es ohne steckenzubleiben. Als wir am Bishorster Sand vorbeipaddeln folgen uns zehn Augen – fünf Seehunde ruhen sich dort aus. Ich freue mich, dass die Jungen von letztem Winter überlebt haben. Lange Jahre gab es nur einen einzigen Seehund hier.

Nach 14 km ruhigem Nebenfahrwasser queren wir hinter Pagensand wieder das Hauptfahrwasser; die Containerriesen werfen lange, sanfte Wellen. Als wir kurze Zeit später an der Nordspitze von Schwarztonnensand im Schatten einer kleinen Weide sitzen und Pause machen, befinden wir uns mitten in einem friedlichen, norddeutschen Klischeebild. Möwen kreisen über uns im blauen Himmel unter Schäfchenwolken. Leuchttürme und Windräder zieren das Elbufer, weiße Segel leuchten vor dem grünen, platten Horizont und die Wellen plätschern auf den gelben Sand der Insel… Ein traumhafter, träger Sommernachmittag.
Als die Tide gekippt ist, schieben wir die Boote wieder ins Wasser. An der Nordspitze von Schwarztonnensand wird es so flach, dass wir aussteigen und treideln. Der Grund ist sandig und wellig, weiter hinten hat sich ein Segler trockenfallenlassen, ein Reiher beobachtet unser Treiben. Das Wasser hinter der Insel ist spiegelglatt und die Nachmittagssonne taucht alles in intensive Farben. Schließlich kommt Pagensand in Sicht. In der Nähe der Südspitze ziehen wir die Boote auf den Strand und gehen erstmal baden. Die Erfrischung tut gut.

Ein kleiner Pfad führt zwischen Weiden hindurch zu einem locker mit Bäumen bestandenen Platz, wo wir unsere Zelte aufbauen und wieder eine Leine für die nassen Sachen aufspannen. Es gibt Nudeln mit Gemüse-Tomatensuppe, dazu ein Bierchen und natürlich wieder ein kleines Feuer. Als die Sonne untergeht, gehen wir an den Strand. Die sonst so braune Elbe leuchtet für kurze Zeit blau-silbern wie flüssiges Blei. Dann wird es dunkel auf der Insel und die DOW auf der anderen Elbseite leuchtet hübsch mit tausenden weißen Lichtern.
Später am Abend sitzen wir immer noch am Feuer und quatschen, als Tristan plötzlich aufspringt und durch die Weiden zum Strand läuft. Dann ruft er uns und zuerst denke ich, die ganze DOW schwimmt die Elbe hoch, so viele Lichter! Doch es ist die Queen Mary 2, die sich da majestätisch die Elbe hochschiebt. Wir sehen ihr noch eine Weile nach. So ein großes Schiff.

Am nächsten Morgen haben wir das Gefühl, schon viele Tage unterwegs zu sein und eigentlich könnte es so weitergehen, aber wir haben nur noch 5 km und dann sind wir zurück am Stader Sand. Die Sonne scheint, der Wind frischt auf und wir paddeln die letzten Kilometer gegen die Wellen zurück zur Schwingemündung. Ein Blick noch zurück auf die Inseln, Leuchttürme, Seezeichen und Schiffe – und dann ist der Urlaub vorbei. Die Elbe hat sich diesmal definitiv von ihrer schönsten Seite gezeigt und ich hoffe, noch viele tolle Touren mit vielen netten Kanuten hier machen zu können.

Tag 1: blau ca. 14 km
Tag 2: grün ca. 38 km
Tag 3: rot ca. 5 km

Elbetour 2012 auf einer größeren Karte anzeigen

Text: Julia W.
Fotos: Julia W. & Jürgen T.

Zum Konzert paddeln?

Es war mir bisher nie in den Sinn gekommen, dass man meine beiden Hobbies Kajakfahren und irische Musik miteinander verbinden könnte. Das änderte sich ziemlich genau am 22.4.2012. Ich war dabei zu planen, wie und mit wem ich zum Konzert der “Chancers” auf die Batavia, das Theaterschiff in Wedel (Hamburg), kommen würde. Mit dem Auto über Hamburg eine reine Weltreise, mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine unsichere Irrfahrt, und mit der Lühe-Schulau-Fähre? – Die fährt ab 18:00 Uhr nicht mehr.
Da kam dann die Idee. Es hat ja auch viel mehr Stil, mit einem Boot zum Schiff zu fahren! Wieso nicht mit dem Kajak? Es sind nur ca. 15 km von Stade. Als ich dann mit Hilfe der kleinen blauen Paddlerbibel feststellte, dass die Tidenzeiten nicht besser hätten sein können, stand für mich fest: Diese Tour will gemacht werden.

Von den Stader Vereinskanuten hagelte es freundliche Absagen. Dann fiel mir der NSB ein. Dieser grandiose Verein hatte ja letztes Jahr schon mal bewiesen, dass es tatsächlich auch Bremer gibt, die sich mal aus Bremen heraus in die nördliche Richtung wagen. So also auch dieses Mal. Willie war dabei. Wir kannten uns zwar nicht, aber jemand, der auf so eine Aktion Lust hat, konnte nicht verkehrt sein. Da war ich mir sicher – und ich lag richtig.

Ich holte ihn am Freitag Nachmittag vom Stader Bahnhof ab und dann kurvten wir zum Stader Verein. Ein passendes Kajak für Willie war schnell gefunden und vor einem bedrohlich dunklen Himmel packten wir unsere Boote. Über Wedel war der Himmel aber blau und die regenschwangeren Wolken ließen wir fröhlich auf der niedersächsischen Elbseite.

Auf der Elbe pustete eine gute Brise aus Südost und versorgte uns mit Gegenwind und etwas Welle. Hinter Lühesand wurde es ruhiger. Am Ende der Insel querten wir das Fahrwasser. Ich liebe diese Stimmung auf der Elbe mit den großen Containerschiffen, den Seglern, den Seezeichen, den Seevögeln und den Inseln inmitten dieses weiten Himmels.

Eine Reihe von Priggen zeigte uns den Weg in die Wedeler Au. Das auflaufende Wasser schoss in einer beachtlichen Geschwindigkeit durch das kleine Sperrwerk und hinter dem Deich änderte sich schlagartig die Stimmung. Das Wasser war spiegelglatt und wir glitten mit leisem Geplätscher an Schafen und Windmühlen vorbei. Wenig später wand sich die Wedeler Au malerisch durch einen Schilfgürtel bevor wir an unserem ersten Ziel ankamen, dem Motorbootclub Schulau, dem schönsten Naturhafen an der Unterelbe (laut Hafenmeister). Während wir unsere Zelte aufbauten, wurden wir vom ersten Vorsitzenden fürsorglich mit erfrischendem Dithmarscher und norddeutschem Unterelbeklönschnack versorgt.

Die Batavia lag noch einen knappen Kilometer weiter flussaufwärts. Wir wussten zwar, dass bei der Batavia ein Schlengel zum Anlegen ist, aber wir waren nicht sicher, wie groß das Zeitfenster ist, in dem der Schlengel auch wirklich schwimmt, denn die Wedeler Au läuft bei Ebbe fast leer und hinterlässt nichts außer ein weiches Schlickbett. Wir waren daher kurz am Zögern, ob wir nicht doch besser zu Fuß zur Batavia laufen sollten, doch die Abenteuerlust siegte und so saßen wir kurze Zeit später wieder in den Booten.

Das Konzert war ausgebucht und auf dem kleinen, urigen, alten Flusskanonenboot saßen die Zuhörer dicht gedrängt. Der letzte freie Platz war direkt vor der Bühne, wo die fünf Musiker völlig unplugged ihr bestes gaben und die Gesellschaft mit viel Humor und Können durch ihre drei Sets führten. In dieser Atmosphäre schmeckte das Guinness besonders gut und die Füße wippten automatisch im Takt. In den kurzen Pausen waren wir mit den Kajaks immer wieder Thema und kamen mit vielen Leuten ins Gespräch.

Gegen Mitternacht war die letzte Zugabe gegeben und wir schwankten glücklich über den schwankenden Schlengel in unsere Kajaks. Es war noch ausreichend Wasser da. Nachts zu paddeln ist immer wieder faszinierend. Den Flusslauf erkannte man nur daran, dass sich der etwas hellere Himmel im Wasser spiegelte. Mit einem Gefühl der Schwerelosigkeit schwebten wir mit dem ablaufenden Wasser und kaum Paddelschlägen zurück zum Motorbootclub. Dort waren wir schnell in den Schlafsäcken. Aber statt lieblichem, irischen Gedüdel im Kopf hatten wir die Partymucke eines Jahrmarktes um die Ecke in den Ohren.

Am nächsten Morgen platterte der Regen auf die Zelte und wir verkrochen uns für das Frühstück im Clubhaus mit bunt zusammengewürfeltem Mobiliar und Radio NDR1-Welle Nord.

Gegen 9:00 Uhr ließ der Regen nach und der Fluss begann abzulaufen. Das war das Zeichen zum Aufbruch. Kurze Zeit später waren wir wieder auf dem Wasser. Mit dem Ebbstrom flitzten wir durch das Sperrwerk und waren dann wieder auf der Elbe. Zuerst blieben wir am Nordufer. Von Hamburg her war eine endlose Perlenkette an weißen kleinen Segeln flußabwärts unterwegs; von der Nordsee kam ein kleines Containerschiff die Elbe hoch. Wir passierten rote Tonnen und Kardinalzeichen und sogar ein Seehund ließ sich blicken.
Hinter Lühesand querten wir wieder das Fahrwasser. Wenig später ließen wir das abgestellte Stader AKW links liegen und bogen schließlich wieder in die Schwinge ein. Beim Stader Verein hieß es Boote auspacken, putzen, wegräumen und dann selbst unter die wohlverdiente Dusche. Schließlich brachte ich Willie wieder zur Bahn.

Wir waren uns einig, dass es eine sehr gelungene spontane Tour war, die man gut mit mehreren Leuten wiederholen könnte. Ich werde mal schauen, wann die nächste nette Aktion auf der Batavia mit passender Tide zusammenfällt…

Text und Fotos von Julia.