Spiekeroog-Tour Pfingsten 2010

Oder: Wir ham‘ noch Sand in den Schuhen von Spiekeroog…

Am Pfingstwochenende 2010 wanderten sieben NSBler mal nicht auf dem Wasser, sondern zu Fuß durch das Watt nach Spiekeroog. Drei andere waren bereits mit dem Seekajak dorthin gekommen, man traf sich auf dem Spiekerooger Zeltplatz. Es war ein super Wochenende, vielleicht ein bisschen kalt und gelegentlich seenebelig, aber Spiekeroog ist eine traumhafte Insel! Aus der Wandergruppe wird berichtet…

Wattwanderer vor Spiekeroog

Spiekeroog ist eine Perle unter den ostfriesischen Inseln: autofrei, ein altes, relativ unverbautes Dorf und einen außerhalb in den Dünen gelegenen Zeltplatz, natürlich auch auto- und somit caravanfrei.

Am Pfingstsamstag ging es früh im Bremen los, um das Zeltgepäck in Neuharlingersiel an der Fähre aufzugeben; später ging es dann mit kleinem Tagesgepäck zum Wattwandererstartplatz nach Harlesiel.

Dort war schon eine bunte, wasserfest aber kurzbehost angezogene Menschenmenge von ca. 50 Personen zu sehen – alles Wattwanderer! Wir lernten unsere sehr sympathischen Wattführer, Frank und Ralf Hensel kennen. Nach einigen allgemeinen Hinweisen zum Wattwandern ging es an den Strand und hinaus auf den Meeresgrund.

unsere beiden Wattführer

Die etwa vierstündige Wattwanderung war erlebnisreich und informativ, es gab betonhartes Sandwatt, puddingartiges Schlickwatt und auf dem größten Teil der Strecke etwas dazwischen: Mischwatt. Zwischen den Wattflächen und Sandbänken, die wir grob gesehen von Süd nach Nord durchwandert sind, gibt es mehrere Priele, die eher von West nach Ost verlaufen, unter anderem auch zwei mit Pricken markierte Wattfahrwasser: Das Harlesieler Wattfahrwasser und das Spiekerooger Wattfahrwasser. Diese „Wattflüsse“ müssen durchwatet werden, wobei der Wattführer hoffentlich die richtigen Stellen kennt, an denen man nicht bis zur Brust im Wasser steht oder von der Strömung mitgerissen wird.

im Priel, mehr als knietief

Denn der auf der freien Fläche oft recht stramme Wind lässt einen in nassen Sachen leicht frösteln. Wir kamen mit unserem erfahrenen Wattführer immer sicher auf die andere Seite. Das Watt ist ständig in Veränderung, die Priele und Fahrwasser verlagern sich von Jahr zu Jahr. An einer Stelle konnte man noch den Verlauf des alten Fahrwassers an abgebrochenen Resten von Pricken der letzten Saison erkennen; diese Pricken werden in jedem Frühjahr als Markierungen für die Schiffe neu gesetzt.

Pricken – hier fahren bei Flut Schiffe entlang, nur der obere „Besen“ schaut dann noch aus dem Wasser

Unser freundlicher Wattführer hielt immer mal wieder an, um uns den Lebensraum des Wattenmeeres vorzustellen: Mal wurden Krebse aus der Nähe betrachtet; wir sahen zu, wie sie sich wieder eingruben. Dann erfuhren wir mehr über die Verbreitung der pazifischen Austern in Ostfriesland oder Bäumchenröhrenwürmer. Auf die vielen gestellten Fragen wußte unser Wattführer kompetente Antwort zu geben, auch das Zustandekommen von Ebbe und Flut wurde mit Hilfe eines pfiffigen drehbaren Modells erläutert.

Das Wetter hat für uns im Verlauf der Wanderung auch noch ein spezielles Naturschauspiel bereit gestellt: Nach dem anfänglichen Sonnenschein, der auch den kalten Wind vergessen ließ, kam gegen Ende der Wanderung Seenebel auf: erst zogen mit dem Wind bizarre Nebelfetzen vorbei, die wurden zunehmend dichter, bald sah man nicht mehr viel von unserem Ziel. Unser Wattführer zückte seinen Kompass und ging voran,  die Gruppe möge bitte eng zusammenbleiben lautete das Kommando.

Seenebel – das Ziel aus den Augen verloren…

Nahe der Insel klarte es wieder auf, unser Wattführer hat dann mit der Wandergruppe ein kleines Experiment gemacht: Einer Mitwandererin wurden die Augen verbunden, nachdem sie sich auf ein Ziel auf der Insel ausgerichtet hatte und sie sollte dann „blind“ losmarschieren. Die Gruppe darf natürlich währenddessen keine lauten Geräusche machen…. Die Frau ging tatsächlich in einem sehr engen Halbkreis um uns herum, bis sie fast schon wieder hinter uns war. Ein wirkungsvoller Test, der uns zeigte, dass man im Seenebel ohne Kompass und kundigen Wattführer schlecht dran wäre und im Kreis umherirren würde.

Irgendwann wechselt die Farbe: statt des graubraun wird es plötzlich grün unter den Füßen – die Südkante der Insel ist erreicht, die Salzwiesen, voller seltener, an den Salzgehalt und die periodischen Überflutungen angepasster Pflanzen. Nach einer Rast schloss sich eine weitere Wanderung durch Dünen, Ort und Hellerflächen zum Zeltplatz an.

Am Pfingstsonntag haben verschiedene Kleinguppen unterschiedliche Aktionen gestartet: Strandspaziergänge, Ortsbesuche, Geocachen.

pittoreskes altes Haus auf Spiekeroog

Am Pfingstmontag begannen früh die Vorbereitungen für die Abreise mit der Mittagsfähre, kurz vorher gab es noch ein leckeres Eis aus der besten Eisbude der Insel, aus der ständig ein unwiederstehlicher Duft von selbstgebackenen Zimtwaffeln dringt.

leckeres Eis zum Abschied

Vielleicht findet sich schon bald wieder so eine Runde zusammen, die Saison dauert noch an – spätestens aber nächstes Jahr. Einen passenden Tour-Song haben wir auch schon: http://www.youtube.com/watch?v=6GaQMzjC2nM – denn: „ich komm‘ hierher jedes Jahr, Pfingsten hier ist wunderbar!“

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