Heidefluss-Tour 2012

Von Baumhindernissen, einem Schwan und anderen Herausforderungen

Am Abend des 11.5.2012 näherten sich von verschiedenen Richtungen aus Fahrzeuge dem Kanuclub Lachendorf bei Celle. Die beiden Erstankömmlinge wurden großzügig vom 1. Vorsitzenden (namens Sebastian – das kann nur ein netter Verein sein) mit einem Getränk bedacht; denn die NSB-eigene Getränkelieferung folgte erst später. Es dauerte jedoch nicht mehr lange und wir waren komplett – zu siebt plus Tristan, der uns nur an diesem Abend Gesellschaft leistete.

Wir waren alle ganz begeistert von der Größe und dem Luxus des Vereinshauses – die Stärken unseres eigenen Vereins liegen halt aktuell eher in nicht-materiellen Dingen. Trotzdem träumen wir natürlich auch…

Am Abend wurde es empfindlich kalt, aber wir hielten es tapfer draußen aus mit vielen Leckereien vom Grill und anderen mitgebrachten Köstlichkeiten. Zum Glück war das Bier von der Autofahrt noch warm und kühlte uns nicht noch weiter aus. Besonders interessant fanden wir Anettes Multifunktionsflasche: Man befülle sie abends mit kochendem Wasser und gebe einen Teebeutel hinzu. Nachts als Wärmflasche zu nutzen und am nächsten Morgen hat man warmen Tee.

Am nächsten Morgen wurde der kleine Männeranteil der Runde (die Organisatoren Sebastian und Peter) durch die Ankunft unseres Ehrenmitgliedes aus Braunschweig wieder verstärkt. Große Freude, als der Ur-Vater des NSB sich am nächsten Morgen beim Frühstück zu uns gesellte. So groß, dass wir – ganz NSB – völlig die Zeit vergaßen und ich irgendwann gegen 13:00 Uhr von den Lachendorfer Kanuten gefragt wurde: “Wolltet ihr heute nicht noch paddeln? Denkt an das Nachtfahrverbot auf der Lachte…”. Nun aber schnell. Hänger ran, in die Autos und zur 2 km entfernten Einsatzstelle.

Dort angekommen wurden die Boote abgeladen und der Pegelstand begutachtet. Da hupte plötzlich ein Auto mit Kajakdachträgern auf der Brücke. Wir sahen uns an und waren uns keiner Schuld bewusst – bis völlig aufgelöst Claudi aus besagtem Auto stieg. Dann sahen wir uns auf einmal sehr betreten an. Keiner hatte sie bisher vermisst… Oh Mann, das passiert uns nicht noch mal!

Anschließend sollten zwei Autos nach Celle zur Aussatzstelle. Die Fahrt wurde höchstabenteuerlich und ich bewunderte Sebastians unumstößliche Ruhe, mit der er den Hänger in engen Sackgassen, vollen Parkplätzen, undurchsichtigen Baustellen und völligem Verkehrschaos manövrierte. Irgendwie schafften wir es zu dem angestrebten Parkplatz und auch wieder zurück zur Einsatzstelle. Die anderen hatten inzwischen alle Boote mit laminiertem NSB- und DKV-Logo beklebt, wie es die Befahrungsregelung möchte.

Schließlich waren wir alle auf dem Wasser. Claudi da? – Ja. Ok, kann losgehen. Sebastian gab eine kurze Einführung, worauf geachtet werden sollte und ich ergänzte die gutgemeinten Ratschläge, sich nicht an Ästen festzuhalten und unter Baumhindernissen nach vorn gelehnt zu durchfahren. Beides musste wenig später bei der Fülle und Art der Hindernisse revidiert werden. Es war die reinste Turnerei und ein Riesenspaß. Drüber, drunter, rechts, links, mittendurch.

Die Liebesgeschichte, die ich Lisa erzählen wollte, entwickelte sich zur (unbeabsichtigt spannenden) Fortsetzungsstory, die alle hören wollten. Drei Sätze und dann kam schon der nächste Baum. Dann forderte wieder jemand eine Zusammenfassung der letzten Folgen, fragte etwas nach. Nächstes Hindernis. Die Fortsetzung hören Sie – nach dem nächsten Baum. “Und dann…” Oh, schon wieder ein Hindernis. Wir wurden auf der Tour nicht fertig.

Mein Stader Verein hatte damals bei irgendeiner Pfingstfahrt auf der Lachte drei oder vier Kenterungen zu beklagen, doch der NSB kämpfte sich tapfer, lächelnd und ohne Verluste durch das Dickicht. An einem Wehr mit Bootsrutsche gab es noch einige Adrenalinschübe und Paddler, welche mangels Notbremse im Busch landeten, aber das tat der guten Laune keinen Abbruch.

An einer Brücke gönnte Sebastian uns nur eine sehr kurze Pause – das Nachtfahrverbot ab 18 Uhr trieb uns voran. Wie sehr, das wurde mir erst klar, als ich Sebastian, den ich nur als jemanden kannte, der allen ins Boot hilft und als letzter hinterher kommt, plötzlich als erstes auf dem Wasser sah. Oh, jetzt ist es ernst…

Auf den letzten Kilometern legte die Lachte uns weniger herausfordernde Hindernisse in den Weg und wir kamen gut voran. An der Mündung in die Aller blies uns eine kräftige Brise entgegen und wir machten noch die ein oder andere kurze Treibpause bevor wir am Wehr umtragen mussten. Dann noch auf die andere Seite paddeln. Angekommen.

Boote aufladen, Personen auf die Autos verteilen (Wo ist Claudi?) und zurück nach Lachendorf. Irgendwie war es am zweiten Abend noch kälter. Andreas wurde herzlich verabschiedet und es kam keine neue männliche Verstärkung mehr.

Am Sonntag kam zu unserer Freude nach dem Frühstück zögerlich die Sonne raus. Vor der Heimfahrt standen uns noch 10 km Örtze bevor und wir kamen wesentlich eher los als am Tag zuvor (Claudi dabei? – Ja.). Sogar das Umfahren der Autos klappte wie am Schnürchen. Dafür wartete das Abenteuer dann an der Einsatzstelle am Steg in Eversen.

Ein leicht arrogant wirkender Schwan beäugte kritisch umkreisend unseren Aufbruch. Mein Vorschlag, ihm unsere DKV-Ausweise zu zeigen, als Beweis, dass wir hier zu dieser Jahreszeit auch fahren dürfen, wurde nicht erhört. Als alle auf dem Wasser waren, mischte er sich unschuldig unter die lospaddelnde Gruppe, um sich dann unauffällig zurückfallen zu lassen und hinterhältig Sebastian und Lisa von der Gruppe abzuschneiden. Er bemühte sich sehr unsensibel um Lisas Gunst und scheiterte kläglich. Hocherhobenen Hauptes glitt er daraufhin von dannen und Lisa stand die durchgemachte Angst ins Gesicht geschrieben. Lieber 30 Bootsrutschen und 150 Bäume als ein Schwan.

Ansonsten war die Örtze weniger aufregend als die Lachte, aber wirklich sehr idyllisch. Im zweiten Teil der Strecke lagen dann mehrere Bäume so quer, dass kein Durchkommen möglich war. Wir nutzten das Umtragen der Boote für ein gemütliche Pause. Das anschließende Einsteigen war eine kleine akrobatische Herausforderung, welche jedoch alle bestens bewältigten.

Auf den letzten Metern gelang es mir, die Fortsetzungsgeschichte für die treuen Zuhörerinnen Lisa und Anette zu einem Happy End zu bringen. In Wolthausen angekommen gab es dann noch ein abschließendes Gruppenfoto bevor sich die Teilnehmer auf verschiedene Fahrzeuge verteilten und seufzend zur Kenntnis nahmen, dass das schöne Wochenende schon wieder vorbei war. Wo ist Claudi? – Schon weg.

Nochmal! Und: Ganz herzlichen Dank an Peter und Sebastian für die Organisation!

Tag 1: rot
Tag 2: blau


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Text: Julia
Fotos: Peter

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