26. Weser-Tidenrallye

Jedes zweite Jahr findet die Tidenrallye auf der Weser statt. Das ist ja eigentlich gar nicht so weit weg vom NSB, oder? Wieso also nicht mal vom Heimatverein lospaddeln! Leider fand sich nur niemand vom NSB, der die ganze Aktion mitmachen wollte (zugegeben – die Idee war etwas kurzfristig). Dafür konnte ich Rainer aus meinem Stader Verein für die Tour begeistern.

Die Anfahrt von Stade nach Bremen war vatertagsbedingt etwas gefährlicher als sonst und wir mussten immer wieder schwankenden Fahrrädern und unzurechnungsfähigen Fußgängern ausweichen. Beim NSB angekommen waren die Boote schnell beladen und wir glitten über die kleine Wümme; begleitet vom Gröhlen der Väter und derer, die es noch werden wollen sowie von einigen vom rechten Weg abgekommenen Frauen. Unsere Seekajaks wirkten etwas deplatziert auf der schmalen kleinen Wümme, aber Ziel war ja auch die Weser.

Die kleine Schleuse wurde von unermüdlichen Jugendlichen bedient, die wir mit Müsliriegeln bezahlten; bei der Schleuse von Dammsiel mussten wir kaum warten und waren schnell auf der Wümme. Diese war gespickt mit Bierflaschen (Merken: nächstes Jahr Vatertag mit dem Kanadier Pfandflaschen sammeln und ein Vermögen machen), machte jedoch noch keine rechten Anzeichen, in die gewünschte Richtung zu fließen. Stauwasser. Wir brauchten aber nicht lang zu paddeln bis die einsetzende Ebbe uns erfasste und zügig Richtung Lesum schob.

Am imposanten Schulschiff trieben wir vorbei auf die Weser, die uns mit einigen Kabbelwellen begrüßte. Bis Rönnebeck, unserem ersten Ziel, war es nicht mehr weit. Mit Blick auf “Dock 3” bauten wir die Zelte auf und beobachteten die Vorbereitungen des Silberziels der Tidenrallye. Es war empfindlich kalt und wir verzogen uns bald in die Zelte.

Am nächsten Morgen punkt 8:00 Uhr wurden wir, wie uns angekündigt worden war, durch das Getöse eines Hochdruckreinigers geweckt – für die Tidenrallye muss es schier sein. Dann hieß es warte, warten, warten… bis Tristan kommt und das Wasser in die richtige Richtung läuft. Kurz nach Mittag war es soweit und unsere zu drei Leuten angewachsene Gruppe stach in die Weser. Tristan paddelte seinen Zweier allein, um am nächsten Tag Olaf (vom KSF) für die Tidenrallye zu sich ins Boot nehmen zu können.

Mit ungefähr 4 Bft. von achtern bauten sich nette Wellen auf, die man zum Teil abreiten konnte. Tristan nutzte den Wind außerdem, um seine Konstruktion eines verstärkten Regenschirms zu testen – mit erstaunlichem Erfolg. Das zog ganz gut.

Unsere Geschwindigkeiten mit Durchschnitt und Spitzen wurden natürlich gebannt auf dem GPS verfolgt:
Bremen-Nordenham: 3h 34min, 09,5 km/h Ø, 14,5 km/h max
Nordenham-Bremen: 4h 27min, 10,0 km/h Ø, 13,4 km/h max

Schneller als erwartet kamen wir in Nordenham an. Dort standen schon viele Zelte und es roch verlockend nach Grill. Eine Wurst und ein paar Alster später gab es eine Sicherheitsschulung zum Thema Kälte mit neuen spannenden Erkenntnissen, die leider nicht bei allen auf Interesse traf.

Die folgende Nacht war eher wenig erholsam, da eine Party den Zeltplatz mit Gelächter und Musik beschallte und (kaum war das verstummt) morgens um 6 Uhr schon die ersten Frühaufsteher Krach machten. Hallo?! Der Start ist um 10:00 Uhr!

Die Zeltwiese leerte sich im Laufe des Morgens und das Hafenbecken füllte sich mit den unterschiedlichsten Kanuten und DLRG-Fahrzeugen. Als dann die Rede des LKV-Vorsitzenden zu einem Ende kam, durften wir endlich los. Hunderte von Paddlern schoben sich auf die Weser, wo sich das Feld relativ schnell in die Länge zog. Rainer und Tristan mit Olaf ließen mich bald zurück und ich schaltete meinen “Langstrecken-Paddel-Modus” ein. Nicht denken, nur paddeln und die Stimmung genießen. Es wehte kaum Wind und je näher wir Bremen kamen desto mehr riss die Wolkendecke auf.

Nach knapp vier Stunden wurde ich aus meiner Paddeltrance gerissen, weil ich mit anderen gemeinsam vor der Querung in die Lesummündung ein Schiff abwarten musste. Da traf ich dann zu meiner Freude Tristan und Olaf wieder. Die letzten Meter bewältigten wir gemeinsam. Beim Goldziel (Tura) angekommen holten wir uns die wohlverdienten Medaillen ab und begossen unser Ankommen mit verschiedenen Getränken. Rainer war bereits 45 Minuten vor uns angelandet – als neunter. Hut ab!

Nach und nach leerte sich die Wiesenfläche von Tura. Tristan und Olaf fuhren per Auto nach Hause. Das ein oder andere Zelt wurde noch aufgebaut, das ein oder andere Bier getrunken und schließlich verkrochen sich alle in ihre Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen packten Rainer und ich das letzte Mal für diese Tour unsere Zelte zusammen und machten uns auf den Weg zurück zum NSB, diesmal über Kuhsiel. Leider hatte ich das mit der Tide nicht richtig eingeschätzt und wir paddelten die ganze endlos erscheinende Strecke im Stauwasser. In Kuhsiel wartete Tristan bereits auf uns, um uns die letzten Kilometer zu begleiten und uns das lange Elend des Kuhgrabens durch Ablenkung erträglich zu machen (Danke dafür!).

Nach 130 km in vier Tagen kamen wir schließlich wieder beim NSB an. Boote aufladen und zurück gen Norden… Der Muskelkater ist inzwischen den Muskeln gewichen, die Blasen an den Händen der Hornhaut und ich freue mich schon auf 2014.

Bremen-Nordenham = blau
Nordenham-Bremen = gelb


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Text und Fotos von Julia

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